Robert Kraner

Geboren 1958 in Wien und dort aufgewachsen. Landwirtschaftsausbildung Verschiedene Berufe, u.a. Landwirtschaftlicher Adjunkt, Lehrer, Leiter eines Obdachlosenhauses, Umweltberater. Lebt im niederösterreichischen Waldviertel. 2003 Gründung der „schreibwerkstatt langschlag wurzelhof“ - heute schreibwerkstatt waldviertel zusammen mit Robert Schindel. 2008 – 2012 und 2014 Referent bei der Schreibakademie Waidhofen an der Thaya und Schreibakademie Gmünd, Kreativakademie des Landes NÖ 2010 Organisation der ersten grenzüberschreitende Schreibwerkstatt in Nové Hrady mit Studentinnen und Studenten beider Länder. Leitet Schreibwerkstätten in Schulen und in der Tagesstätte Zuversicht, Heidenreichstein.

Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung

Bücher

Kreide

Die Frau schrie durch die U4-Station.

Die Frau kreischte.

Sie war klein, stämmig, in der weißen Firmenkleidung eines Imbissstandes. Mia kannte sie vom Sehen. Vor ihr geduckt ein Mann und eine Frau, dunkle Haare, zerknitterte Mäntel. Dunkler Teint. »Ihr Rotzpipn, was foit euch ein?« Sie begann, die beiden zu stoßen.

»Was wüst du, Zigeinerschlampn du? Bettln? Bei meine Kunden? Des werd i da austreim!«, schrie die Frau und holte aus. Da sprang Mia dazwischen und breitete die Arme aus.

»Geh weg, du Gurkn!«.

»Das geht nicht«, setzte Mia an, die Arme breit. Die Frau bedrängte sie. Ein Mann und eine andere Frau stellten sich Mia zur Seite, redeten auf die Weißgekleidete ein. »Das hat doch keinen Sinn. Habens dir was gstohln, sag, was is?«

»Gehts wega do! De Gfraster, bettln bei meina Kundschoft. Weg, weg!«

Sie drängte gegen die menschliche Wand, ruderte mit ihren Armen durch die Luft und versuchte vorbeizukommen. Die Dunklen duckten sich. Der Zug fuhr ein. Die Türen gingen auf. Sie sprangen in den Zug.

Die Weiße brach nach der Seite aus. Kam an Mia vorbei, stürmte den Waggon, schlug auf die Köpfe der beiden. Mia kam nach.

»Nein! Stopp!«

Der Mann kam dazu. Die Frau. Redeten. Versuchten zu beruhigen. Drängten die um sich Schlagende in ein freies Abteil. Der Zug fuhr ab. Mia wurde still. Mit wenig Kraft versuchte die Frau noch einmal auszubrechen, durchzuschlüpfen, murmelte vor sich hin. Bei der nächsten Station verließ das Paar den Zug, blitzschnell die Frau ihnen nach. Ein junger Mann stellte sich ihr in den Weg, redete, breitete die Arme aus, bis die beiden nach oben verschwunden waren. Mia blickte ihnen nach, sah die Weiße laufen. An schwere Ketten dachte sie. Kerkertüren. Drei Schlösser.


Mia fiel ein Tag im vergangenen Herbst ein, an dem sie beim Betreten des Gemeinschaftshauses auf die beiden ineinander verkrallten Männer gestoßen war, Christian und Rolf. Der eine seine Zähne und Krallen im Leib des anderen und umgekehrt. Stofffetzen hingen weg. Die nackte Schulter zerkratzt. Umgestürzte Sessel.

Mit Geschrei hatte Mia die beiden nicht trennen können. Sie versuchte, sich dazwischenzudrängen, es half nicht, und nicht der Hilfeschrei aus dem Fenster. Zu weit waren die anderen vom Haus entfernt. Erst ein Wasserschwall aus dem Kübel über die Köpfe der beiden Männer veränderte die Lage. Als sie einander losließen, Rolf sich in die Lacke setzte, Christian auf allen Vieren daneben, keuchend, ihre weit geöffneten Augen auf Mia gerichtet, war da ein kurzer Moment, in dem sie glaubte, nun sei sie dran. Die Luft blieb ihr weg, und sie dachte:

»Laufen! Weg von diesen Tieren.«

»Schluss«, brachte sie heraus. Und mit dem wiedergewonnenen Atem kam die Kraft wieder.

»Seids wahnsinnig?«

Sie hatte zu wacheln begonnen, so, wie man abends die Hühner in den Stall scheucht. Christian verzog sich ins Büro, Rolf in den Ruheraum. »Abkühlen«, hatte sie befohlen, oder nur gedacht. Sie erinnerte sich, wie sie in dem Raum zurückgeblieben war und einen Gedanken hatte: »In schwere Ketten die beiden! Ein Kellerraum, eine stählerne Tür, fertig.«

»Nomen est omen, das wissen wir schon lange. Wir rücken heute vom allgemeinen Betrachten des friedfertigen Handelns zum individuellen. Rücken uns und unserer persönlichen Geschichte ganz nahe. Betrachten den eigenen Namen. Es heißt, unsere Eltern haben ihn uns gegeben, wir können nichts dafür. Wir sagen, jeder hat sich seine Person und seine Eltern selbst gewählt und muss, will er zu einem liebevollen, sinnreichen und friedensstiftenden Menschen werden, die Verantwortung für alles, was zu seinem Leben gehört, übernehmen. Ich zum Beispiel heiße Claus. Gerhard mit zweitem Namen, beide geerbt von meinen Groß vätern. Weder Claus noch Gerhard mochte ich. Das war schon im Volksschulalter so. Da gab es Leopolds, Armins, Georgs. Deren Namen gefielen mir viel besser. Auch die Personen dazu. Ich aber begann, mich für meine Namen zu verachten. Als ich dann in den Korridor zum Erwachsenenleben gelangte, also zwischen 12 und 16 Jahren, lenkte ich die Verachtung auf meine Eltern um. Ich verdrehte die Sichtweise und weidete mich zusehends daran. Ich hasste meine Eltern dafür, dass sie mir diese Namen gegeben hatten.

Und ich genoss den Hass«, so C. G. Jansen, Numerologe, Psychologe und Transformationscoach, wie er sich heute früh den neu Hinzugekommenen vorgestellt hatte. In dieser Reihenfolge. Heute in dieser. Gestern stand an erster Stelle der Psychologe. »Sagt Claus zu mir«, hatte er sie aufgefordert. Er hatte sich zu ihnen in den Kreis gesetzt, die Beine überkreuzt, saß aber eine Stufe höher als die anderen.

Drava Verlag

ISBN: 978-3-85435-964-7



Weißdorn

Im Spiegel betrachtet erkenne ich meinen Körper als blöden Hund. Meine Brustwarzen, die Augen, der Bauch, die stumpfe Schnauze, sein Maul ein »o«, meine Arme, seine Hängeohren. Ich spreche ihn an und sage »o«. Er antwortet nicht, schaut mich an. Gehe er doch weg, der Hund. Das Amulett, das mich vor dem bösen Blick bewahren sollte, habe ich verloren.

Ich heiße Herbert und bin Alkoholiker, seit einem Jahr trocken. Ein Jahr, neun Monate. Bald sind es zwei. Bei »AA« ist alles anonym. Wen du dort gesehen hast und was gesprochen wird, bleibt dort. Selbstmitleid ist untersagt. Das erste Glas lasse ich für heute stehen. Saufkumpanen hatte ich keine. Bei ihnen hätte ich nichts mehr verloren.

Ich war vorige Woche bei Liz und sie hat mir Sachen gegeben, die sie nicht mehr haben will. Eine Schachtel mit Büchern und Heften meines Bruders Reinhold. Tagebuchaufzeichnungen, Reiseberichte, ein paar Gedichte. Ich habe darin gestöbert.

Im Sommer 2008, als Reinhold, Liz und Max ihren letzten Urlaub in Valun verbrachten, steuerte ich auf meinen Tiefpunkt zu. Im Jä nner 2009 ging Reinhold in den Wald, nahm Whisky mit und Schlaftabletten.

Ein Arzt erklärte mir: So wie er es angelegt hatte, musste er sanft entschlafen sein. Von der Zeit zwischen Sommer und Winter gibt es keine Aufzeichnungen, nur den Abschiedsbrief an Liz und Max. Sie ließen mich den Brief lesen. Kein Wort war durchgestrichen, kein Buchstaben überschrieben, kein Zeichen verwischt. Der Brief erzählte von seinem Entschluss. Dankes- und Trostworte. Glatt. »Mein Tod wird angenehm sein. Eine Last von Euch und von mir wird genommen sein. Seid gewiss: Ich hatte ein schönes Leben. Ich umarme Euch.«

»Du Pfützenschlucker«, hatte er zu mir gesagt. Ich habe nie mehr nachgefragt was er damit gemeint hatte. Hätte er »Arschloch« gesagt, es hätte alles gut werden können. Pfützenschlucker! Wir gingen unsere Wege. Das war vor fünfundzwanzig Jahren.

Ich tue ihm Unrecht. Er kann sich nicht wehren. Reinhold ist nicht mehr. Doch er ist da. Und wie! Ich vergesse ihn am besten. Denk nicht an einen rosaroten Elefanten. Denk nicht an Reinhold. Wie soll das funktionieren? Jetzt hab ich ihn aber in der Wohnung. Eine Schachtel voll Reinhold.

In den Tagebüchern und Heften hat mein Bruder ekelige Seiten an sich entdeckt. Wenn er sich nicht gerade über seine Chefin oder einen unmöglichen Politiker mokierte, betrachtete er sich und war zerknirscht. Seine Stockzähne mussten abgenutzt sein bis an die Kieferränder. Ich sehe ihn vor mir. Die Muskeln seiner Wangen spielen im Licht. Die Spiegelfläche zwischen den Bartstoppeln hebt und senkt sich. Ständige Knetbewegung zwischen Ohr und Kinn. Wenn er sprach, brachte er kaum den Mund auf. Als ich hörte, dass er bei einem linken Chor zu singen begonnen hatte, konnte ich mir das nicht vorstellen. Parolen brauchen einen offenen Mund. Gesang auch.

Im vierten Schritt der Anonymen Alkoholiker heißt es: Wir machen eine gründliche und furchtlose Inventur in unserem Inneren. Reinholds Schriften kommen gerade recht. Oder doch zu spät. Reinhold ist nicht mehr, oder er ist in den Schriften. Man macht die Inventur nicht fürden anderen, sondern für sich, heißt es. Also gut.


Ich habe geträumt, dass Arnulf Rainer zu Besuch sei. Wir sprachen darüber, wie es wäre, Texte zu überschreiben. Mit meiner alten mechanischen Schreibmaschine könnte es funktionieren, meinte Rainer.

Bei jedem neuen Einspannen der Seite, sagte er, müsse man das Papier ein klein wenig gegenüber vorher verrücken, Zeichen und Zeile. Nach zwölfmaligem Überschreiben bilden sich die ersten geschlossenen schwarzen Felder. In den Randbereichen würden immer einzelne Buchstaben sichtbar bleiben. Ich habe Reinholds Tagebuchaufzeichnungen sortiert und zu lesen begonnen. Sie sind oft wirr. Ihm wäre es sicher nicht recht gewesen, dass ein anderer die Bücher und Hefte in die Hand bekommt. Liz hätte sie verbrennen können. Oder wegschmeißen. Sie hat sie mir gegeben. Ich werde sie überschreiben. Die frühen Tagebuchaufzeichnungen sind größtenteils lückenhaft, manchmal fehlen Monate. Das letzte Heft mit dem Titel »Reisetagebuch Valun« ist anders. Hier fehlt kein Tag.


Ich muss meinen Bruder nicht lieben. Ich soll ihn nur nicht hassen. Das sei nicht gut für meine Trockenheit, wurde mir gesagt. Da ich ihm nichts getan habe, hätte ich jetzt nichts zu tun. Hätte. Reinhold ist nicht mehr und ich finde keine Ruhe. Bei dem stummen Kampf, den wir die Jahrzehnte hindurch gefochten haben, bin ich übrig geblieben.

Drava Verlag

ISBN: 978-3-85435-755-1



Valerie

Valerie wird mit anderen in einen Bus gesetzt.

»Landpartie«, sagt ein Pfleger. Eng sitzt sie neben einer jungen, kleinen Frau. Sie lächelt. Valerie nimmt ihre Hand und lässt sie nicht mehr los. Spätabends gelangen sie an ein Ziel. Bleiben Seite an Seite. Sie liegen in benachbarten Betten. In der Nacht kommt die junge Frau zu Valerie.

»Gib mir deinen Namen, ich habe keinen.«

»Peter heißt du.«


Sie legen sich aneinander und halten sich. In der Früh kommt eine Schwester und zieht die Frau aus Valeries Bett. Peter und Valerie bleiben Gefährten. Tage später geht die Reise weiter.

Ruß

Seit Tagen gibt es Hochdruckwetter und wolken losen Himmel, in den der Rauch aus dem Schornstein des Schlosses aufsteigt. Die Dorfbewohner sind zur Ruhe gekommen, verrichten ihre Arbeit, schneiden Obstbäume, säen Karotten, Radieschen, Salat. Es ist März.


Rauch ist im Dorf gewesen an den Wintertagen und eine Unruhe. Der Rauch war schwer und roch. Asche regnet es manchmal nieder und Ruß, wenn ein Feuer im Winter brennt, wäre da nicht, als Ingrid Steindl das Fenstersims wischte, ein Haarbüschel gewesen. Und beim Mühlbauer auch. Verbrannte Haare riechen nicht gut. So sprach Ingrid mit ihrem Mann und der war ein Freund des Bürgermeisters. Der Bürgermeister hatte von anderer Seite Beschwerde gehört über Rauch an gewissen Tagen und Ruß, der schmiert. Ein Putztuch soll nicht gereicht haben für drei oder vier Fenstersimse. Auch Seife hat nicht viel bewirken können. Die Menschen machten die Fenster dicht, damit nichts davon in ihr Heim gelangen konnte. Kein Rauch. Keine Asche.

»Ein bisschen Staub, Ruß und Asche ist immer beim Heizen«, hat er zu den Leuten gesagt, und: »Der Winter ist bald vorbei.«

Die Steindls aber hatten Haare am Fenstersims.


So sprach der Bürgermeister mit dem Verwalter des Schlosses, als er diesen im Wirtshaus traf. »Grüß Dich, Herr Hauptmann, du musst etwas sagen, die Leute wollen nicht mehr den Rauch, die Asche im Garten. Haare sind auch dabei.«


Es gab eine Versammlung der Dorfbewohner, nur die Kinder blieben zu Hause. Der Hauptmann begrüßte alle und sprach: »Wenn Energie knapp ist, und sie ist knapp in diesen Kriegstagen, so müssen wir versuchen, uns selbst zu versorgen. Wir arbeiten im Schloss und testen energiehaltige Stoffe, die alle von uns stammen und hier bei uns wuchsen. Ich verstehe, dass an Schlechtwettertagen die Last für euch groß ist. Bitte versteht aber auch mich und halten wir zusammen, wenn ich auch heute nicht alles sagen kann. Wir tun alles in unserer Macht stehende, den Prozess zu optimieren.

Es ist eine Reinigung, Entsorgung und gleichzeitig Versorgung. Alles geht seinen Weg. Alles wird uns zum Nutzen. Ja, Reinigung. Die Gesellschaft des Schlosses bestellt morgen Spezialreinigungsmittel in ausreichender Menge. Ihr könnt sie – Herr Bürgermeister, sag, ist das möglich? – auf der Gemeinde abholen, dort wird es angeliefert. Alkohol hat fettlösende Kraft. Ja, Alkohol. Die Rechnung des heutigen Abends, den Wein und das Bier, auch Würstel zahlen wir ...«

»Und die Haare am Fensterbrett!?« war aus der letzten Reihe zu hören.

»Wie viel Haar im Reich anfällt – auch das muss in den Kreislauf und brennen. Es darf nicht verrot- ten. Jedes Haar, jede Faser, jedes Blatt Papier ist zu unserem Nutzen. Wir arbeiten daran. Nichts fällt ins Nichts. Nichts geht verloren. Denkt an Friseure.«

Über Gras

Etwas zu verstecken
Ist die große Kunst
Des Grases

Einer hob
Den Rasenteppich
Mit Schaufel und Krampen
Da war Metall auf Metall
Ein Funke
Ein Schädel

Das Gras biegt sich
Mit jedem Wind

Ich liebe das Gras
Im Winter
Wenn es tot
Über den Schnee
Sich neigt
Gras im März liebe ich
Wenn es ganz neu
Den Winter versteckt

Von unten
Nimmt es die Kraft

Drava Verlag

ISBN: 978-3-85435-672-1

Publikationen

2022
schmiegt sich fremdem an, ein Kunstbuch, zusammen mit Herbert, Jakob und Sebastian Kraner, Weltwassercent, Wien
2021
Kreide, Roman, Drava-Verlag, Klagenfurt / Celovec
2021
Gedichte: Drei Versuche "Vater" zu schreiben. / Und einmal "Ich" in „Die Rampe“ 4 - 21 Stifterhaus OÖ
2017
Wir haben es gut, Gemeinschaftstext Muhar-Kraner-Schindel im Hoftheater Pürbach, Sommergespräche der Waldviertelakademie
2015
Weißdorn, Roman, Drava-Verlag, Klagenfurt / Celovec
2014
Gestrandet. Bericht. für die Anthologie Mein Waldviertel, Literaturedition Niederösterreich
2013
Kollmitzgraben in der Literaturzeitschrift Kolik Spezial, 10 Jahre Schreibwerkstatt Langschlag Wurzelhof
2013
Therese Weber, Biografie und Essay für das Buch Lebensspuren, Biografische Skizzen von Opfern der NS – Tötungsanstalt Hartheim, Hrsg.: F. Schwanninger, I. Zaumer-Leitner, Studienverlag
2013
Mein Mosaik, Essay für das Buch „Diktatorpuppe zerstört, Schaden gering“, Mandelbaum Verlag, Wien
2012
Valerie, Drava-Verlag, Klagenfurt / Celovec
2010
Loos geht - Eine Erzählung in der Anthologie „Zu Fuß - Geschichten vom Gehen“ Promedia Verlag
2009
Gedichte in „Die Rampe“ Stifterhaus OÖ


Auszeichnungen:

2015
Anerkennungspreis Literatur des Landes Niederösterreich für den Roman Weißdorn

Aktuelles

Ein Buch.Präsentation.Wasser

Herbert, Jakob, Robert und Sebastian Kraner stellen am Weltwassertag ihr neues Kunstbuch vor: »schmiegt sich fremdem an« - »diesmal kein fotoband / kein lyrikband / kein spiel / aber ein buch / ein neuer versuch / »wasser« zu sagen«

22.03.2022, 19 Uhr, VHS Hietzing Moderation: Mathilde Schwabeneder

Anmeldung www.buecher-geschenkeladen.at

Der Erlös aus dem Buchverkauf fließt in das Projekt „Welt Wasser Cent“, mit dem Wasserprojekte für Menschen finanziert werden, die keinen Zugang zu einer gesicherten Wasserversorgung haben.


Ferne, wie nah

Im Zimmer sitzen und an die Welt denken. Im Zimmer an zerfurchte Erde denken, vorm Fenster nur Grau und Braun. Draußen nur Grau, Braun und ein flüchtender Hase, die Fenster spiegeln. Es ist noch länger nicht warm, bitterkalt ist es auch nicht. Der Fuchs hat aufgegeben, der Hunger ist nicht groß. Von weit oben betrachtet sieht man die Flucht nicht, nicht den Jäger, und es ist still. Kein Panzerkettenrasseln, kein Krachen, kein Knattern. Im Zimmer in der Rückenlage aber, die Augen geschlossen, Schreie.


Bald. Bald? Jetzt!

In der dunklen Zeit läutete der Paketdienst. Ein Paket. Noch ein Paket. “Kreide” ist gut angekommen. “Die Rampe” ebenso. Belegexemplare. Pakete geöffnet, Nase reingesteckt, den Unterschied erschnuppert. Eine Stunde mit Blättern und Lesen verbracht. Ich fühle mich satt und rund. Wie auch immer die Antworten ausfallen werden, es ist nun einmal erzählt. Das genügt. Jetzt.

Es ist, wie Bäume an den Rand der Sahelzone gesetzt zu haben. Oder, kehligem Geschrei eine Melodie entgegengesungen zu haben. Noch weiß ich nicht, wer das hört, wie es ankommt. Es genügt, es getan zu haben. Es genügt, wiederum festzustellen: “There...


Verrichtungen

Buchstaben als Verpackung, Worte gemailt oder gesprochen. Das letzte Hand- und Kopfanlegen an »Kreide« (Drava) und Gedichte - »Drei Versuche „Vater“ zu schreiben. / Und einmal „Ich“« (Die Rampe, Stifterhaus OÖ). Hoffentlich trotzen alle Beteiligten der Corona-Unbill, sodass Roman und Gedichte vor Weihnachten erscheinen. Der Versuchung, davon zu erzählen, kann ich doch nicht widerstehen, genauso wenig, wie gleich drauf ins Novembergrau hinauszugehen.


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Kontakt

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